"Am Ende der Welt" ist eine Weihnachtsgeschichte, die noch vor Weihnachten in einer Anthologie erscheinen wird (als Printversion und Ebook) Da es auch ein Wettbewerb ist, stehen alle Geschichten online und dürfen kommentiert, gefacebooked, geflattrt oder getwittert werden. Link: Am Ende der Welt
...und wer eigentlich gar nicht für Weihnachten ist, mag vielleicht diese Geschichte:
Liebe Weihnachtsmuffel...
Auf dem Weihnachtsmarkt
Weihnachtssehnsucht
Weihnachtsimpressionen
Christnacht
Nachweihnachtsgedicht :o)
Überraschung im Advent (c) Martina Decker
Seit fünf Jahren arbeitet Karl Liebig im Weihnachtspostamt seiner Heimatstadt Nürnberg. Er liest und beantwortet die Briefe, die Kinder aus ganz Deutschland an das Christkind geschrieben haben und die Arbeit macht ihm von Anfang an sehr viel Freude. Oft sind die Briefe liebevoll bemalt und verziert und enthalten lange Listen von Wünschen. Manchmal aber steckt noch viel mehr dahinter als der Wunsch nach einer neuen Puppe oder einem ferngesteuerten Rennauto.
Verstohlen wischt Karl Liebig sich über die Augen. Seine Hand zittert, als er den Brief des kleinen Niklas noch einmal liest.
„Liebes Christkind!“ schreibt er in ungelenker Kinderschrift. „Papa sagt, ich bin eigentlich schon viel zu groß, um dir schreiben. Im Januar werde ich nämlich schon acht Jahre alt. Und meine Freunde in der Schule sagen, es gibt dich gar nicht. Aber wenn es dich nicht gibt, dann weiß ich niemanden, der mir helfen kann.“
An dieser Stelle ist die Tinte ein wenig verwischt. Fast sieht es aus, als ob ein Tropfen aufs Papier gefallen war. Ob der Junge geweint hatte?
„Vor drei Wochen ist meine Oma Heidi gestorben. Ich habe sie ganz doll lieb gehabt und vermisse sie schrecklich. Letztes Jahr hat Oma um diese Zeit jeden Tag mit mir Plätzchen gebacken und mir dabei wunderschöne Geschichten erzählt. Meine Mama kann keine Plätzchen backen. Die verbrennen immer und schmecken eklig. Außerdem hat sie auch keine Zeit. Immer muss sie meinem kleinen Bruder helfen. Simon kann noch nicht laufen und nicht alleine essen. Er macht noch in die Windeln und schreit ganz oft. Ich vermisse meine Oma so sehr. Bitte, liebes Christkind, kannst du nicht machen, dass Oma Heidi wieder zurück kommt?
Viele Grüße dein Niklas
„So ein trauriger, kleiner Kerl“ denkt Karl. "Was soll ich ihm nur antworten? Oma Heidi wieder zurück zu bringen, geht ja nun wirklich nicht." Nachdenklich steckt er Niklas` Brief in seine Westentasche. Auf dem Tisch liegen noch viele Briefe. Karl muss sich jetzt ein bisschen sputen. Bis zum Weihnachtsfest sind es noch drei Wochen. Spätestens dann muss jedes Kind eine Antwort erhalten haben.
Als Karl nach Hause kommt, ist es bereits dunkel. Dicke Schneeflocken treiben im Wind und überziehen Wege und Strassen mit einer weißen Decke. Karl zieht im Flur die nassen Schuhe aus und macht sich fröstelnd in der Küche einen Tee. Müde setzt er sich an seinen Küchentisch und holt den Brief von Niklas hervor. „Wie kann ich dir bloß helfen?“ murmelt Karl. Dabei dreht und wendet er den Brief gedankenverloren. Zufällig fällt sein Blick auf das Absenderfeld „Schumannstrasse 84“ liest Karl und ein Lächeln zieht über sein Gesicht. „Ja, das könnte eine Möglichkeit sein…“
Niklas schaut traurig zum Fenster hinaus. Nicht einmal der einsetzende Schneefall kann ihn fröhlich stimmen. Ob das Christkind seinen Brief schon bekommen hat? Vor einer Woche hatte er den Brief eingeworfen, aber noch keine Antwort erhalten. „Bestimmt haben die anderen Recht! Es gibt gar kein Christkind und Wünsche gehen schon mal gar nicht in Erfüllung. Papa sagt immer: Wünschen ist Humbug. Wer was haben will, muss dafür etwas tun.“ Niklas schnieft und will sich gerade vom Fenster abwenden, als unten im Hof das Tor geöffnet wird. Eine alte Dame schaut sich suchend um. Sie trägt einen langen, grauen Mantel und auf ihrem Kopf sitzt ein Hut. „Oma Heidi?“ flüstert Niklas und schüttelt sogleich den Kopf. Oma Heidi hatte zwar so einen Mantel, aber mit so einem komischen Hut wäre sie niemals herumgelaufen. In diesem Moment ertönt die Türglocke. Niklas hört, wie Mama und die fremde Frau miteinander reden. „Ach bitte, kommen Sie doch einen Moment herein“ hört er Mama sagen. Dann gehen die beiden in die Küche. Dort ist es wohlig warm und da hat Simon sein Laufställchen stehen. „Komisch! Simon schreit gar nicht“ fällt Niklas auf. Dann ruft Mama nach ihm. Zögernd geht er nach unten. „Niklas! Schau mal, dies ist Frau Gerber.“ Warum schaut Mama ihn so seltsam an? Die Frau streckt Niklas ihre Hand entgegen und lächelt ihn an. „Hallo Niklas! Ich soll dich ganz lieb vom Christkind grüßen. Leider kann es dir nicht Deine Oma Heidi zurück bringen. Darum hat es mich geschickt. Auch ich habe vor einigen Monaten einen geliebten Menschen verloren. Mein Mann starb im August und seit dem bin ich ganz alleine. Ich möchte sehr gerne mit dir Plätzchen backen und dir Geschichten erzählen.“ Niklas kann es nicht glauben. Seine Augen leuchten vor Glück. Er bringt vor Aufregung kein Wort heraus und nickt nur stumm. „Na, fein!“ sagt Frau Gerber und schaut Niklas an. Dann geht ihr Blick zu Niklas Mama. „Danke, dass Sie es erlauben.“ Etwas umständlich erhebt sie sich von ihrem Platz. „Bis morgen also“ sagt Frau Gerber und setzt mit einem Augenzwinkern hinzu: „Jetzt muss ich aber erst einmal wieder nach Hause und meinem Neffen von dieser wundersamen Begebenheit berichten.“ An der Tür nimmt sie Niklas fest in den Arm und drückt ihn herzlich. „So hat Oma Heidi es auch immer gemacht“ geht es dem Jungen durch den Kopf. Glücklich schmiegt er sich an sie und flüstert: „Danke!“
Adventskalender © Martina Decker 24 Türen auf dem Weg zum Fest täglich eine öffnen und probieren was hinter ihr verborgen ist 24 Gaben nur für dich verpackt jeden Tag sollst du was haben das dir eine Freude macht 24 Tage schau auf die Lichter im Advent ohne Hektik - ohne Klage bis die vierte Kerze brennt 24 Stunden hat ein jeder Tag nimm hin in all seinen Sekunden die Hoffnung, die er dir zu bieten hat
Warten auf den Nikolaus © Martina Decker Nik’laus ist ein guter Mann, brachte stets mir etwas mit. In der Nacht, in der er kam Lauschte ich auf jeden Schritt. Einmal nur wollt ich ihn seh’n, hielt mich darum mühsam wach. Tat am dunklen Fenster steh’n Sah dem Nachbarhaus aufs Dach. Es war flach und wirklich breit. Den Schlitten dort zu landen - für ihn wohl eine Kleinigkeit… ich habe lange dort gestanden! Am nächsten Morgen wacht’ ich auf Lag, wie es sich gehört, im Bett. Davor ein Teller mit viel Süßem drauf. Und Nik’laus? Der war ungesehen wieder weg! |