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Hier mal wieder was Neues - Der Versuch eines Haibun= Japanische Kürzestprosa, die am Ende in ein Haiku fließt...

Herbstnebel
© Martina Decker

Früher Morgen. Knirschend bricht welkes Laub unter meinem Schritt. Feuchter Nebel liegt schwer über den Dächern und kriecht die Häuserwände herab. Träge wabert er durch die schmalen Gassen und die Welt versinkt in grenzenloser Enge. Jegliche Konturen verwischen im matten Licht einer unsichtbaren, nicht wärmenden Sonne. Fröstelnd schlage ich den Mantelkragen hoch.
Graue Schattenwelt
Eben war es noch Sommer
Die Zeit verrinnt schnell


Der Bettler

Es war um die Mittagszeit. Die Türglocke läutete und überrascht erblickte ich einen Fremden. Er streckte mir seine schmutzige Hand entgegen. Sein Lächeln war breit, die Zähne faulig und lückenhaft. Mit zitternder Stimme klagte er über die Kälte und Boshaftigkeit der Menschen,erzählte von seinem Hunger und bettelte um einen Almosen. Ich erwiderte sein Lächeln und bat ihn, zu warten. Dann schloß ich für einen Moment die Tür, um ihm einen Imbiss zu bereiten.
Armer Mann im Herbst
eine warme Suppe wird
seinen Hunger still'n


Hoffnungsfunken 

© Martina Decker
Aus Feuer geboren
vom Wind getragen
gleiten sie zu Boden.

Ihre glimmende Glut
wächst zu neuem Feuer

oder verlischt in Tränen.

veröffentlicht in "Hoffnungsfunken" - P.Scholle-TraumVerlag


Missverständnis

© Martina Decker

Ein freier Tag und Sonnenschein -

Sabine lädt zum Grillfest ein.

Es schäumt das Bier, es glimmt die Glut,

das Fleisch gart auf dem Feuer gut.

 

Es wird gegessen und gelacht

Und als die Teller leer gemacht,

meint Heiner: „So ein Schnäpschen wär’ jetzt recht,

dann gehts dem Magen auch nicht schlecht!

Ein Ramazotti – Rama kurz genannt –

Den hielte ich jetzt gerne in der Hand!“

 

Sabine lacht: Das ist doch kein Problem!

Den hatt ich auf der Einkaufsliste stehn.

Mein Mann hat ihn wohl kühl gestellt.

Er weiß, dass es mir sehr gefällt,

wenn alles ordentlich an seinem Platz -

ja ja, er ist ein echter Schatz.

 

Doch wie sie schaut, wo sie auch sucht -

Kein Rama da – verflucht!

Muss sie denn alles kontrollieren?

Wie konnte das verdammt noch mal passieren?

Vergaß ihr Schatz den kostbaren Likör?

War ihm die Flasche allzu schwer?

 

Grad will sie ihn dies alles fragen,

ihm klipp und klar die Meinung sagen -

 

Da …entdeckt Sabine

3 Päckchen Rama - Margarine

 

 

Sorgentag

(c) Martina Decker

Schöner Morgen

Sanft geborgen

ohne Sorgen

gut begonnen

doch zerronnen

wie gewonnen

Wolken ziehen auf

ballen sich zuhauf

Schicksals Lauf

Tag versinkt

ertrinkt

in Regen

und Tränen

 

Mutter Löwenzahn

©Martina Decker

Mutter Löwenzahn schaut ihren Kindern nach  

Ein Windhauch schickte sie auf Wanderschaft

Nur zweie sind noch dageblieben

die hat der Wind nicht fortgetrieben.

 

„Doch wird auch ihre Zeit bald kommen“,

denkt Mutter Löwenzahn beklommen.

Sie flüstert ihnen zu - ganz leise

„Macht euch bereit für eure Reise!

Ich wünsch euch eine schöne Wiese,

so groß und grün wie diese.

Mit guter Erde, dass ihr keimen könnt

und Sonnenschein, der euch verwöhnt.

Auch ab und zu ein bisschen Regen -

ihr braucht ihn, um zu überleben.

Im nächsten Jahr steht ihr dann leuchtend Gelb

Ich weiß nicht wo auf dieser Welt

und…“

Eine zarte Brise

zieht über die Wiese

alle Kinder nun auf Wanderschaft

Mutter Löwenzahn schaut ihren Kindern nach.

Zur Pusteblume gibt es HIER auch noch eine kleine Geschichte